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Vom 05.10.2017

Osteoporose erkennen, behandeln und vorbeugen


Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Skelettsystems, bei der mit zunehmendem Alter die Knochendichte stärker als gewöhnlich abnimmt: In der Folge werden die Knochen porös und brechen schon bei geringer Krafteinwirkung. Die Krankheit tritt häufig bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr auf, aber auch Männer im höheren Lebensalter sind betroffen. Osteoporose verläuft oft lange Zeit unbemerkt und wird erst bei der Versorgung eines Knochenbruchs diagnostiziert. Der bereits vorhandene Knochenschwund kann dann in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden, im Frühstadium ist der Verlauf der Erkrankung durch Medikamente und eine Umstellung des Lebensstils aber gut zu beeinflussen.

 

Wie entsteht eine Osteoporose?

Wie alle Gewebe des menschlichen Körpers wird auch das Knochengewebe ständig auf- und abgebaut. Mit zunehmendem Alter überwiegt der Abbauprozess, die Knochenmasse verringert sich. Von Knochenschwund spricht der Arzt, wenn die Stabilität der Knochen stärker als üblich abnimmt und schon geringe Belastungen einen Knochenbruch zur Folge haben. Neben einer erblichen Veranlagung spielen Bewegungsmangel, ein Mangel an Vitamin D und Kalzium sowie hormonelle Faktoren bei der Entstehung der Krankheit eine wesentliche Rolle: So beschleunigt etwa Östrogenmangel bei Frauen in den Wechseljahren den Knochenabbau. Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen stellen weitere Risikofaktoren dar, untergewichtige Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Knochenschwund betroffen. Zudem kann der Verlust der Knochensubstanz als Folge einer anderen Erkrankung oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten (sekundäre Osteoporose). Auch eine Laktoseintoleranz kann das Auftreten von Knochenschwund begünstigen, da Betroffene infolge der Unverträglichkeit von Milchprodukten häufig zu wenig Kalzium aufnehmen, das zur Knochenbildung benötigt wird.

 

 

Wie macht sich Knochenschwund bemerkbar?

Ein Abnehmen der Knochendichte ist nicht schmerzhaft und verursacht im Anfangsstadium keinerlei Beschwerden. Chronische Rückenschmerzen können auf einen beginnenden Knochenschwund hindeuten, aber auch von Verspannungen verursacht werden. Ein deutlicher Hinweis ist dagegen ein Knochenbruch, der durch eine geringe Belastung ausgelöst wurde. Meist sind dabei Unterarme, Rippen oder Oberschenkelhals betroffen, gelegentlich verspüren Betroffene auch starke Schmerzen nach einem „Knacken“ im Rücken. Insbesondere im höheren Lebensalter sollte der Arzt in diesem Fall eine umfassende Abklärung veranlassen. In jungen Jahren kann eine eingehende Diagnostik sinnvoll sein, wenn Grunderkrankungen wie Hormonstörungen, Diabetes mellitus und bestimmte Tumorerkrankungen vorliegen oder eine längere Einnahme von Medikamenten erfolgte, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen.

 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Osteoporose?

In einem ausführlichen Gespräch erfragt der Arzt die Vorgeschichte des Patienten. Wichtig sind dabei vor allem andere Erkrankungen, regelmäßig eingenommene Medikamente, Lebensgewohnheiten und die familiäre Vorbelastung. Auch eine beträchtliche Abnahme der Körpergröße deutet auf Knochenschwund hin. Um den Verdacht zu bestätigen, wird eine Knochendichtemessung (Densitometrie) durchgeführt: Dabei wird der Mineralgehalt des Knochens bestimmt und mit den Durchschnittswerten gesunder 30-jähriger Frauen und Männer verglichen. Anhand des ermittelten Wertes (T-Wert) kann der Arzt feststellen, ob die Knochensubstanz noch intakt ist, eine Vorstufe der Erkrankung (Osteopenie) besteht oder bereits erheblicher Knochenschwund vorliegt. Auf einer Röntgenaufnahme können Knochenbrüche an der Wirbelsäule oder den Extremitäten dargestellt werden, Aufschluss über ein Ungleichgewicht der Mineralstoffe Kalzium und Phosphat liefert eine Blutuntersuchung.

 

Was tun gegen Knochenschwund?

Osteoporose ist nicht vollständig heilbar, durch eine gezielte Therapie kann der Abbau der Knochenmasse aber deutlich verzögert werden. Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung spielen dabei eine wesentliche Rolle, je nach Ursache und Ausprägung des Knochenschwundes kommen verschiedene Medikamente zur Stärkung der Knochen zur Anwendung. Bei der sekundären Osteoporose steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.

 

Gesunde Ernährung

Zur Gesunderhaltung der Knochen ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium äußerst wichtig. Hervorragende Kalziumquellen sind Milch und Milchprodukte, auch grüne Gemüsesorten und kalziumreiches Mineralwasser enthalten reichliche Mengen des Knochenbaustoffs. Kalzium kann allerdings nur in Verbindung mit Vitamin D in die Knochen eingebaut werden: Zur Bildung von Vitamin D benötigt der Körper wiederum UV-Strahlung in Form von Sonnenlicht. Neben einer ausgewogenen Ernährung gehört daher auch ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft auf den Behandlungsplan. Große Mengen Phosphat in der Nahrung hemmen die Aufnahme von Kalzium: Wurstwaren, Fastfood und Fertiggerichte sollten daher möglichst selten verzehrt werden. Auch die in Rhabarber, Spinat und Kakao enthaltene Oxalsäure zählt zu den „Kalziumräubern“. Allgemein wirkt sich eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst, Vollkorn- und Milchprodukten positiv auf den Stoffwechsel und damit auch auf den Knochenschwund aus.

 

Bewegungstherapie

Regelmäßige Bewegung stärkt Muskeln und Knochen und verbessert die Stabilität des Bewegungsapparates. Zudem verfügen sportlich Aktive in der Regel über eine bessere Koordinationsfähigkeit, die das Sturzrisiko erheblich senken kann. Kraft und Ausdauer sollten gleichermaßen trainiert werden: Laufen, Wandern, Tanzen und Nordic Walking bieten sich dafür ebenso an wie leichtes Krafttraining im Fitness-Studio und verschiedene Gymnastikarten. Weniger geeignet sind Sportarten, die mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einhergehen wie etwa Fußball, Skifahren oder Kampfsport. Bereits dreimaliges Training pro Woche für etwa 30 Minuten wirkt sich positiv auf Muskulatur und Knochensubstanz aus. Bestehen bereits Einschränkungen durch die Osteoporose, sollte vor Aufnahme einer sportlichen Tätigkeit gemeinsam mit dem behandelnden Arzt ein effektiver und schonender Trainingsplan erarbeitet werden.

 

Medikamentöse Therapie

Die Basis der medikamentösen Therapie stellt die ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium dar. Zusätzlich können verschiedene Arzneimittel mit Wirkstoffen eingesetzt werden, die den Knochenabbau reduzieren oder den Knochenaufbau anregen. Zu den wichtigsten Medikamenten zählen Bisphosphonate: Sie hemmen die Aktivität der für den Knochenabbau zuständigen Zellen (Osteoklasten) und unterstützen dadurch den Aufbau von gesundem Knochengewebe. Die gleiche Wirkung haben Östrogene oder östrogen-ähnliche Wirkstoffe, die bei Frauen nach den Wechseljahren zur Anwendung kommen. Das in den Nebenschilddrüsen produzierte Parathormon regt dagegen die Tätigkeit der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) an. Daneben stehen eine Reihe weiterer Medikamente zur Verfügung, die der Arzt abhängig vom individuellen Beschwerdebildes des Patienten verordnen kann. Die medikamentöse Therapie des Knochenschwundes muss in der Regel über Jahre fortgeführt werden.

 

Knochenschwund vorbeugen

Vorbeugung und Therapie von Osteoporose gehen fließend ineinander über: Auf ausgewogene, kalziumreiche Ernährung, regelmäßige sportliche Aktivitäten und ausreichend Sonnenlicht sollte daher schon in jungen Jahren geachtet werden, bevor der natürliche Abbau der Knochensubstanz einsetzt. Risikofaktoren wie übermäßiger Alkoholgenuss und Rauchen können vermieden werden, genetische Faktoren sind dagegen nicht zu beeinflussen: Besteht eine erbliche Vorbelastung oder Untergewicht, sollten Frauen ab dem 65. Lebensjahr vorsorglich eine Knochendichtemessung durchführen lassen.

 

 

Fachartikel in Auftrag gegeben von Gesundheits-Campus.de – die Arztsuche für gesundheitsorientierte Menschen

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