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Vom 25.09.2017

Kohlenhydrate - Was sie sind und worauf es zu achten gilt


 

„Wer schnell Gewicht verlieren möchte, muss Kohlenhydrate vermeiden“, so heißt es zumindest in vielen Frauenzeitschriften. Wer schon einmal einen Blick auf die Nährwerttabelle von verpackten Lebensmitteln geworfen hat, dem wird auch sehr schnell deutlich, warum. Hier finden sich nämlich zwei zusammengehörige Zeilen in einer Tabelle. Zum einen „Kohlenhydrate“ und darunter „davon Zucker“ sowie die dazugehörigen Werte. In vielen Fällen decken sich die beiden angegebenen Ziffern oder rücken zumindest eng zusammen. Doch bedeutet das gleichzeitig, dass Kohlenhydrate dasselbe sind wie der süße Bestandteil eines fast jeden Lebensmittels? Was genau sind Kohlenhydrate?

 

Was sind Kohlenhydrate?

 

Unter Bezugnahme auf die zwei genannten Zeilen ist es nicht verwunderlich, dass Kohlenhydrate auch als Saccharide, übersetzt „Zucker“, bezeichnet werden. Die Entstehung der Bezeichnung ist allerdings nicht in den Nährwerttabellen zu suchen, denn mehr in der Entstehung von Kohlenhydraten. Für ihre Entstehung benötigt eine Pflanze Wasser, Kohlendioxid und Lichtenergie. Dabei wird Glukose, besser bekannt als Traubenzucker, frei. In einem langen Prozess der Zellatmung und unter Abgabe von ADP und ATP entstehen so lange Ketten von Glukosemolekülen aus denen Pflanzen wiederum selbst Energie ziehen können. Diese Art des Speicherns von Energie in Form von Glukose wird als Stärke bezeichnet und kann durch bestimmte Enzyme erneut aufgespalten werden. Nichtsdestotrotz ist Kohlenhydrat deshalb nicht gleich Kohlenhydrat.

 

Welche Arten von Kohlenhydraten gibt es?

 

Saccharide sind also ein enorm wichtiger Bestandteil der menschlichen Nahrung, denn sie liefern dem Körper, genau wie den Pflanzen, Energie. Genauso wie Proteine und Fette tragen Kohlenhydrate dazu bei, dass der Mensch körperliche und konzentrierte Arbeit verrichten kann, wobei für das Gehirn die Saccharide eine enorm wichtige Rolle spielen und für die Muskeln die Proteine. Hinsichtlich der Saccharide unterscheiden wir Einfachzucker, auch Monosaccharide genannt (mono = eins/eine); Zweifachzucker, auch als Disaccharaide bezeichnet (di = zwei) und Vielfachzucker, auch bekannt als Polysaccharide (poly = mehr/ere). Sie definieren sich wie folgt:

 

Einfachzucker: Einfachzucker besteht aus Glucose, also Traubenzucker, und Fructose, also Fruchtzucker. Damit befindet sich Einfachzucker in großen Mengen z. B. in Obst und in Süßigkeiten. Besonders Honig besteht überwiegend aus Einfachzucker; der Rest ist Wasser. Gemeinsam mit dem nicht so häufig genannten Einfachzucker Galactose stellen die drei die für den Stoffwechsel am wichtigsten Saccharide und dienen zudem als Zellbausteine. Die Einnahme von Lebensmitteln, die viele Einfachzucker enthalten, führt (mit Ausnahme von Galactose) zu einem rasanten Anstieg des Blutzuckerspiegels.

 

Zweifachzucker: Zweifachzucker bilden sich durch die Abspaltung von Wasser zweier Monosaccharide; sie werden in manchen Fällen auch als Biosen bezeichnet. Bei ihnen handelt es sich um eine organisch-chemische Verbindung von Kohlenhydraten, die zur Gruppe der sogenannten Oligosaccharide gehören. Sie kommen überwiegend in Produkten wie Rohr- und Rübenzucker vor, der bekanntermaßen aus Zuckerrohr und Zuckerrüben gewonnen wird. Sein markanter, sehr süßer Geschmack, findet sich heute häufig in Süßungsmitteln.

 

Vielfachzucker: Vielfachzucker besteht mindestens aus elf Einfachzuckern, die mittels einer glycosidischen Bindung miteinander verbunden sind. Sie sind auch bekannt als Stärke, Cellulose oder Chitin. Als essentieller Energieträger sind sie dazu in der Lage, Energie abzuspeichern, von der der Körper lange zehren kann. Vielfachzucker sind kaum in Wasser löslich und neutral im Geschmack, was sie in Sachen abnehmen zu einer kleinen Stolperfalle machen kann. Sie sind häufig in Getreideprodukten wie Weiß- und Mischbrot sowie in Müsli enthalten. Zum Vergleich: Wer morgens eine Schüssel Knuspermüsli isst, nimmt genauso viel Zucker zu sich, wie eine Schüssel Kekse enthält.

 

Wozu brauchen wir Kohlenhydrate?

 

Doch brauchen wir dann Kohlenhydrate überhaupt und sind sie gesund? Schließlich liefern Proteine auch Energie, also könnten wir Kohlenhydrate auch einfach weggelassen werden, oder? Nein, können sie nicht und auch jeder Arzt würde davon dringend abraten. Eiweiße liefern zwar Energie, können die Leistungsfähigkeit des Gehirns jedoch nicht gewährleisten. Sie dienen lediglich den Muskeln. Eine Ausnahme bilden Eiweißshakes, die neben zahlreichen Proteinen auch jede Menge Saccharide enthalten, was weder selten noch gesund ist. Der Körper benötigt Kohlenhydrate, um den Energiebedarf des Gehirns zu decken, damit das Kontrollzentrum unseres Körpers leistungsaktiv bleiben kann. So gibt es zwar Diäten, die vorschlagen, Kohlenhydrate wegzulassen, die Folgen sind jedoch immer dieselben: Schwächegefühle, Müdigkeit, Kopfschmerzen bis hin zu Erbrechen und leichter Reizbarkeit. Wer Kohlenhydrate länger als drei Tage weglässt, riskiert diese Nebenwirkungen.

 

Wie hoch ist die empfohlene Tagesmenge an Kohlenhydraten?

 

Würde man einen Arzt nach der empfohlenen Menge an Kohlenhydraten befragen, gäbe er wohl zur Antwort, dass das eine zweitrangige Frage ist und eine ausgewogene Ernährung im Vordergrund stehen sollte. Eine ausgewogene Ernährung wiederum, so sagt es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, besteht aus 15 Prozent Eiweißen, 30 Prozent Fetten und 55 Prozent Kohlenhydraten. Eine Ausnahme stellen lediglich Kinder und Jugendliche dar, die einen höheren Anteil Eiweiß benötigen, um Körpersubstanzen aufzubauen.

 

An einem Beispiel: Ein durchschnittlicher junger Mann hat einen täglichen Bedarf von 2000 kcal. Nimmt er Lebensmittel mit 55 Prozent Kohlenhydraten zu sich, darf er pro Tag 1100 kcal essen, denn 1kcal entspricht rund 0,24 g Kohlenhydraten. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass kcal kein sehr zuverlässiger Wert ist. Die Umrechnung weicht in jedem Land leicht von dem deutschen Standardwert ab.) Bei 30 Prozent Fett dürfte er zudem 66 g Fett zu sich nehmen und gerechnet an den 15 Prozent Eiweißen 72 g Eiweiß pro Tag.

 

Neueste Erkenntnisse in Sachen Kohlenhydrate

 

Die Achse des Bösen oder doch gesund? Forscher waren sich lange Zeit uneinig darüber, ob es mehr Kohlenhydrate und weniger Fette oder mehr Fette und weniger Kohlenhydrate sein sollten. Ein Problem, das nicht nur alle Abnehmwilligen vor ein kleines Dilemma stellt, sondern auch die Erfinder von Low-Carb-Diäten. Eine internationale Studie kam nun zu dem Ergebnis: Wenig Fett und viele Kohlenhydrate erhöhen das Sterberisiko. Ein Ergebnis, dem deutsche Wissenschaftler widersprechen. Die ZEIT plakatierte nun im August 2017: Esst mehr Kartoffeln! Die Begründung: Kohlenhydrate seien die wichtigsten Bestandteile der menschlichen Ernährung. Im Körper würden sie in ihre Grundbausteine, also Glucose, zerlegt und dienten dem Körper als Energie. Macht der Körper von dieser Energie Gebrauch und braucht sie auf, trägt dies auch zum Muskelwachstum bei.

 

Fazit

 

Kohlenhydrate übernehmen die wahrscheinlich wichtigste Aufgabe in der menschlichen Ernährung. Sie werden im Körper in Glucose zersetzt und versorgen alle Organe, namentlich das Gehirn, über die Blutbahn mit Energie. Damit sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Ernährung und insbesondere für diejenigen wichtig, die abnehmen möchten, denn wer über keine Energie verfügt, kann auch kein Gewicht verlieren.




Fachartikel in Auftrag gegeben von Gesundheits-Campus.de – die Arztsuche für gesundheitsorientierte Menschen

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