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Vom 02.09.2017

Informationen über Organspende


Wissenswertes über die Organspende


Im Rahmen einer Organverpflanzung erfolgt die Transplantation von menschlichen Organen. Dabei kann es sich sowohl um Lebendspenden wie von Leber und Niere als auch um das Verpflanzen von Organen nach dem Tod handeln, was in der Medizin als „post mortem“ bezeichnet wird. Dieses Verfahren findet bei Organen wie Lunge, Herz, Dünndarm und Bauchspeicheldrüse statt. Gesetzlich vorgeschrieben ist dazu das eindeutige Feststellen des Todes des Organspenders. 
Von der Organspende abzugrenzen sind Blutspenden, Gewebespenden wie beispielsweise von Hornhaut, die Spende von vaskularisierten Gewebekomplexen sowie Knochenmarkspenden. 

Bedarf nach Organspenden

Die Nachfrage nach Spenderorganen ist groß. Patienten, die einer Organspende bedürfen, werden auf eine Warteliste gesetzt. Diese umfasst ca. 12.000 Menschen. Davon versterben Jahr für Jahr ungefähr 1000 Betroffene, da sie das benötigte Organ nicht mehr rechtzeitig erhalten. Etwa 8000 Patienten warten auf eine Nierenspende. 
Durch einen einzigen Organspender können bis zu sieben Menschen, die unter schweren Erkrankungen leiden, wirksame Hilfe erhalten. Allein im Jahr 2011 fand bei 1200 Verstorbenen eine Entnahme von 3917 Organen statt. Die Tendenz ist allerdings seit einigen Jahren rückläufig, was vor allem auf die Organspendeskandale zurückführen ist, die das Nachlassen der Spendebereitschaft zur Folge hatten. Allein in Deutschland fallen 14,7 Spender auf eine Million Einwohner, womit das Land im internationalen Vergleich im unteren Drittel rangiert. Grundsätzlich signalisieren drei Viertel aller Bundesbürger bei Umfragen ihre Bereitschaft, anderen Menschen ein Organ zu spenden. Allerdings sind lediglich 25 Prozent aller Deutschen mit einem Organspendeausweis ausgestattet. Bei den Verpflanzungen von Organen zählt Deutschland zu den Nehmerländern.

Kriterien für die Warteliste

In den deutschen Transplantationseinrichtungen erfolgt die Transplantation von Organen wie Herz, Niere, Darm, Bauchspeicheldrüse und Lunge. Für ihre Vergabe wurde ein fester Kriterienkatalog aufgestellt, dessen Festlegung durch die Bundesärztekammer erfolgt, die sich dabei am Transplantationsgesetz orientiert. 
Zum Empfang der Organe entstehen Wartelisten. Bei jedem Patienten findet vor einer möglichen Organverpflanzung eine gründliche medizinische Untersuchung statt. Diese richtet sich nach Dringlichkeit, Wartedauer sowie den Merkmalen des Gewebes. Kinder erhalten als Organspendeempfänger eine besondere Berücksichtigung. Derjenige Patient, der die höchste Anzahl an Punkten aufweist, bekommt das wichtige Spenderorgan als erster. 
Allerdings lassen sich nicht alle Betroffenen auf die Warteliste setzen. Fallen die Risiken der Organtransplantation bzw. ihrer Nachbehandlung zu hoch aus, wird auf die Verpflanzung verzichtet. Gemäß dem Transplantationsgesetz unterliegen die Ärzte der Vorschrift, die Gründe dafür festzuhalten. Außerdem muss der Patient von ihnen in Kenntnis gesetzt werden. Dabei stehen die Mediziner in der Pflicht, sich an den Richtlinien der Bundesärztekammer zu orientieren. 

Durch welche Institution wird das gerechte Verteilen der Organe gewährleistet?

Die benötigten Patientendaten werden von den Transplantationszentren an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) weitergereicht. Eurotransplant hat seinen Sitz im niederländischen Leiden und legt Wartelisten für jedes einzelne ET-Mitgliedsland an. Dazu zählen neben Deutschland und den Niederlanden auch Österreich, Ungarn, Luxemburg, Belgien, Slowenien und Kroatien. Durch die länderübergreifende Zusammenarbeit ist das rasche Aufspüren von lebensrettenden Organen möglich. Dabei hat Eurotransplant die Aufgabe, die Organe so gerecht wie möglich zu verteilen. 

Vermittlung von Organen an der Warteliste vorbei

Die Wartezeit auf ein Spenderorgan nimmt oftmals viel Zeit in Anspruch. Aus diesem Grund werden mitunter Organe vorbei an der offiziellen Warteliste verpflanzt. Nach Angaben der Bundesregierung vergeben die Kliniken jede zweite Bauchspeicheldrüse und jedes vierte Herz an Patienten, die sie selbst aussuchen. Dabei greifen die Krankenhäuser auf ein beschleunigtes Verfahren zurück, das unter bestimmten Umständen zulässig ist. Dazu gehören kranke oder alte Spender, dessen Organe sich nur für wenige Empfänger eignen. Der Anstieg der beschleunigten Verfahren wird von der deutschen Regierung auf das zunehmende höhere Lebensalter der Organspender zurückgeführt. 

Hohes Manipulationsrisiko

Die erforderlichen Punkte, die für eine Organspendewarteliste benötigt werden, kommen durch die Untersuchungen der Ärzte zustande, die in der jeweiligen Klinik, in der der Patient behandelt wird, tätig sind. Diese möchten vor allem ihren eigenen Patienten ein passendes Organ vermitteln, sodass sich Manipulationen bei den Patientendaten nicht immer ausschließen lassen. 
Da es in den letzten Jahren wiederholt zu Organtransplantationsskandalen kam, wurden die gesetzlichen Vorgaben von der deutschen Regierung unter Beteiligung von Ärzteschaft und Krankenkassen verschärft. Seit August 2012 besteht für die Transplantationszentren sowie Entnahmekliniken die Pflicht, der Prüfungskommission der Bundesärztekammer Daten über die Entscheidung der Organvermittlung zu liefern und darüber Auskünfte zu erteilen. Erhält die Kommission Kenntnisse über einen Verstoß der Regelung, teilt sie diese den jeweiligen Landesbehörden mit. Zusammengesetzt wird die Kommission aus Ärztevertretern, Angehörigen von Kliniken und Krankenkassen sowie Vertretern des Landes. Das Gesundheitsministerium wies auf die Unabhängigkeit der Prüfungskommission hin.

 

Das neue Organspendegesetz


Das Entscheidungsgesetz, das von der Bundesregierung verabschiedet wurde, besagt, dass sämtliche privaten und gesetzlichen Krankenkassen ihre Mitglieder schriftlich nach ihrer Bereitschaft zu einer Organspende im Falle ihres Ablebens befragen. Im Abstand von zwei Jahren soll eine erneute Befragung von Kassenmitgliedern über 16 Jahren erfolgen. Die mit Informationsmaterialien kombinierten Befragungen dienen dazu, eine erhöhte Bereitschaft für eine Organtransplantation zu bewirken. 

Der Organspendeausweis

Die Bereitschaft eines Menschen, nach seinem Tode seine Organe zu spenden, wurde bislang im Organspendeausweis festgehalten. Auf diesem Dokument vermerkt der Versicherte seine ausdrückliche Erlaubnis, seine Organe aus dem Körper zu entnehmen, damit sie schwerkranke Menschen erhalten, die auf sie angewiesen sind. Dabei besteht die Option, dass nur bestimmte Organe entfernt werden. Der Träger des Organspendeausweises kann aber in dem Dokument auch vermerken, dass er keine Organe spenden möchte. Darüber hinaus darf der Bürger die Entscheidung über eine Organspende für seinen Todesfall einer Vertrauensperson übertragen. 
Der Versicherte hat die Möglichkeit, das Schreiben seiner Krankenkasse nicht zu beachten. Allerdings muss die Weigerung, nach dem Tode keine Organe zu spenden, im Organspendeausweis mittlerweile ausdrücklich vermerkt werden. Es wird empfohlen, den Ausweis stets bei sich zu tragen, falls es einmal zu einem Unfall kommt. Es besteht aber auch die Option, eine Vertrauensperson über seine Absichten zu informieren und ihr mitzuteilen, wo sich der Organspendeausweis befindet. 

Datenschutz für die Organspender

In Deutschland ist kein Register für Organspenden vorhanden. So reicht es aus, einen Organspendeausweis aus Papier auszufüllen, der im Idealfall stets mitgeführt wird. Durch das neue Organspendegesetz soll die Entscheidung pro oder contra Organspende auf der elektronischen Gesundheitskarte abgespeichert werden. Datenschützer geben jedoch das Aufweichen der Datenschutzrichtlinien zu bedenken. Allerdings ist das Speichern der Informationen auf der Gesundheitskarte bislang technisch noch nicht durchführbar. 
Das Transplantationsgesetz gestattet die Weitergabe von personenenbezogenen Daten über Organspender an die Pharmaindustrie. Auf diese Weise sollen mögliche Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden. Eine Einwilligung der betroffenen Personen ist dazu nicht erforderlich, was bei Datenschützern ebenfalls auf Kritik stößt.

Deutsche Stiftung Organtransplantation

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sorgt dafür, dass die Patienten, die dringend auf ein benötigtes Organ warten, dieses auch erhalten. Sie bildet die bundesweite Koordinationsstelle für postmortale Organspenden. Zu ihren Aufgaben gehört das Begleiten der Angehörigen der Organspender. Dabei werden von den DSO-Mitarbeitern auch die Intensivstationen der Krankenhäuser besucht. Der Kontakt mit den Angehörigen gilt als wichtig, damit über die mögliche Spende von Organen gesprochen wird. Kritiker werfen der DSO jedoch vor, die Familienmitglieder der Organspender unter Druck zu setzen. Die Krankenkassen lassen der Deutschen Stiftung Organtransplantation für jedes gespendete Organ eine Summe von ca. 8000 Euro zukommen. 
Als problematisch gilt außerdem der Umstand, dass die DSO nur unzureichender Kontrolle untersteht, was zu heftigen Diskussionen führte. Der Gesundheitsausschuss des deutschen Bundestages ließ ein Gutachten erstellen, das die Verschwendung von Geldern sowie verschiedene Ungenauigkeiten der DSO anprangerte. Die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sorgte jedoch für die Entlastung der Einrichtung und konnte kein Verhalten feststellen, dass strafrechtlich relevant wäre. Allerdings wurde ein Verstoß gegen die DSO-Geschäftsordnung aufgedeckt, woraufhin der Stiftungsrat strukturelle Veränderungen der Stiftung durchführen ließ. 

Definition des Todeseintritts bei der Spende von Organen

Die Definition des Eintritts des Todesfalls im Rahmen einer Organspende untersteht der strengen Regelung des Transplantationsgesetzes. Demnach müssen zwei Ärzte gemäß der Richtlinien der Bundesärztekammer den Hirntod des potentiellen Spenders diagnostizieren. Darüber hinaus muss die Einwilligung des Verstorbenen zu einer Organverpflanzung bekannt sein. Ebenso können die Angehörigen des Verstorbenen nach seinem Willen ihre Zustimmung zur Spende erteilen.
Dieses Kriterium steht jedoch im Mittelpunkt unterschiedlicher Diskussionen. So ist es umstritten, ob ein Mensch, bei dem sich keine Hirnaktivitäten mehr registrieren lassen, dessen Atmung und Herzfunktion aber durch medizinische Apparate weiterhin aufrechterhalten wird, auch wirklich tot ist. Verschiedene Wissenschaftler geben zu bedenken, dass das Erlöschen der Hirnfunktion nicht immer als Todesursache angesehen werden kann. Das Gehirn gilt als gleichwertig zu den anderen Organen mit lebenserhaltenden Funktionen. Der Mensch stirbt nach dieser Einschätzung also nicht, wenn sich keine Hirnströme mehr messen lassen. Der Tod tritt demnach erst dann ein, wenn sämtliche Körperfunktionen komplett ausfallen.

Lebendspenden

Neben post-mortem-Organspenden gibt es auch Lebendspenden, deren gesetzliche Regelung ebenfalls durch das Transplantationsgesetz erfolgt. Dieses gestattet die Spende von Organen ausschließlich unter Verwandten ersten und zweiten Grades. Dazu gehören die Ehepartner, Eltern, Geschwister, Verlobte oder Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen. 
Damit es nicht bei Lebendspenden der Organe zu Missbrauch kommt, wird von einer Kommission aus Gutachtern überprüft, dass die Spende nicht aus finanziellen Gründen stattfindet, sondern freiwillig ist. 

Altersgrenzen für Organspenden

Eine Organspende ist in Deutschland bereits ab dem 16. Lebensjahr möglich, wenn die Minderjährigen ihr Einverständnis dazu erklären. Dazu bedarf es keiner Einwilligung der Eltern. Bei älteren Menschen besteht keinerlei Obergrenze. So entscheidet letztlich nicht das kalendarische Lebensalter des Spenders, sondern das biologische. So können auch Nieren, die Spendern in einem Alter von 65 Jahren entnommen werden, Dialysepatienten ein beinahe normales Leben ermöglichen. Die Eignung von Organen oder Geweben für eine Transplantation lässt sich erst im realen Spendefall medizinisch feststellen.

Welche Einrichtungen informieren über Organspenden?

Wer sich über das Spenden von Organen ausführlich informieren möchte, kann dies bei der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) tun. Gleiches gilt für das Infotelefon Organspende. Erreichbar ist es unter der Telefonnummer 0800 / 90 40 400. Darüber hinaus lassen sich Infos bei der zuständigen Krankenkasse erhalten.
Nach Vorgaben des Transplantationsgesetzes müssen ca. 1400 Kliniken, die über Intensivstationen verfügen, einen Transplantationsbeauftragten bereitstellen. Zu dessen Tätigkeiten gehört auch die Beratung von Angehörigen der potentiellen Spender.

Kontraindikationen für die Spende von Organen

Bei bestimmten gesundheitlichen Einschränkungen dürfen keine Organe gespendet werden. Dazu gehören Krebserkrankungen mit der Bildung von Metastasen (Tochtergeschwülsten), bestimmte aktive Infektionen, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sowie chronische Störungen der Organfunktionen. HIV-Infektionen stellen mittlerweile kein absolutes Hindernis für eine Transplantation mehr dar, sodass prinzipiell auch HIV-Infizierte als Spender in Betracht kommen. Rechtliche Beschränkungen bestehen allerdings nach wie vor in einigen Ländern wie den USA, in denen dies noch immer nicht gestattet ist. 
Nicht immer für eine Organverpflanzung geeignet sind Menschen mit organspezifischen Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis B oder Hepatitis C, sodass von ihnen keine Leberspende erfolgen darf.

 

Fachartikel in Auftrag gegeben von Gesundheits-Campus.de - Die Arztsuche für gesundheitsorientierte Menschen

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